Younes Ouaqasse

Younes Ouaqasse, Mannheim

„…kurz nach meiner Rückkehr aus Marokko, hatte ich viele Defizite. Ich war mir jedoch immer bewusst, dass ich für mich selbst verantwortlich bin und habe es so geschafft, meine Schullaufbahn selbst in die Hand zu nehmen.…“

„…Gleichzeitig müssen die Deutschen aber auch den Migranten auf Augenhöhe begegnen…“   

„…Der DMK verbindet mich auch mit der Heimat!…“ 

 

1. Herr Ouqasse, wie lange leben Sie schon in Deutschland und warum haben Sie sich bzw. Ihre Eltern für Deutschland entschieden?

Als Sohn marokkanischer Eltern, bin ich 1988 in Mannheim geboren. Meine ersten vier Lebensjahre verbrachte ich in Mannheim. Anschließend lebte ich vier Jahre bei meinen Großeltern in Marrakesch, bevor ich mit acht Jahren wieder nach Mannheim zurückkehrte.

2. Im Laufe der Jahre haben Sie sicherlich Einiges erlebt. Können Sie uns 1-2 besondere Fälle schildern, die Ihren Lebenslauf charakterisiert haben?

Ein herausragender Einschnitt in meinem Lebenslauf ist selbstverständlich meine Wahl zum Bundesvorsitzenden der Schüler Union Deutschlands im April 2008 gewesen. Es macht mir Spaß, mich für die Interessen der Schülerschaft einzusetzen und einen Verband mit über 10.000 Mitgliedern zu führen.

3. Welche Vorbilder prägten Sie und woher kamen die Anregungen für ihre Entwicklung?

Ein großes Vorbild für mich ist Dr. Helmut Kohl, der Kanzler der Einheit. Er hat Deutschland geeint und Europa zukunftsfähig gemacht. Ich bewundere seine politischen Erfolge und wünsche mir auch in Zukunft solch gestandene Größen, die mit Herz und Verstand in der Politik aktiv sind und sich für die Menschen in der Welt einsetzen.

4. Was verbindet Sie mit Deutschland, was ist schätzenswert und lebenswert, was müsste korrigiert werden?

Ich fühle mich in Deutschland wohl und schätze die Eifrigkeit und die Pünktlichkeit der Menschen.  Deutschland ist sehr lebenswert und ich genieße jeden Tag hier mit aufgeschlossenen und kontaktfreudigen Menschen. 

5. Wenn Sie heute den Wunsch frei hätten, würden Sie wieder nach Deutschland kommen? Warum?

Ich fühle mich als deutscher Europäer mit marokkanischen Wurzeln. Selbstverständlich werde ich aber weiterhin nach Marokko reisen und dort den Kontakt zu Familie und Freunden halten.

6. Was haben Sie studiert und warum?

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich erfolgreich mein Abitur abgelegt. Nun werde ich ein Jahrespraktikum bei einer Unternehmensberatung beginnen. Anschließend würde ich gerne Internationales Management studieren. 

7.Was ist Ihnen in der Schule oder an der Hochschule am schwersten gefallen?

Es war nicht immer einfach, als Schüler mit Migrationshintergrund dem Unterricht zu folgen. Vor allem in der Grundschule, kurz nach meiner Rückkehr aus Marokko, hatte ich viele Defizite. Ich war mir jedoch immer bewusst, dass ich für mich selbst verantwortlich bin und habe es so geschafft, meine Schullaufbahn selbst in die Hand zu nehmen. Selbstverständlich gab es auch einige Rückschläge, aber auch diese haben mir in meiner Entwicklung geholfen! 

8. Wie sind Sie zu dem geworden was Sie heute sind und welche Rolle spielte dabei Deutschland, welche Chancen gab es oder verwehrte Ihnen Deutschland?

Wer in Deutschland lebt, der muss der deutschen Sprache mächtig sein. Ich danke vor allem meinem Stiefvater, der sich nach meiner Rückkehr aus Marokko jeden Abend mit mir hingesetzt hat, um mir Deutsch beizubringen. Anschließend habe ich mit viel Eifer an der Hauptschule begonnen, später den Realschulabschluss nachgeholt und nun mein Abitur abgelegt.

9. Wie schätzen Sie die Chancengleichheit in Deutschland in Bezug auf Bildung, Ausbildung und Tätigkeitsfelder gegenwärtig ein und wie haben sich diese verändert?

Wenn man großen Elan mitbringt und Kämpfergeist zeigt, kann man auch als Deutsch-Marokkaner eine gute Bildung genießen und entsprechende Abschlüsse erhalten. Das dreigliedrige Schulsystem bietet hierfür auch eine gute Grundlage. Jedoch wünsche ich mir, dass die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen größer wird. Ein problemloser Wechsel von Haupt- zur Realschule und dann zum Gymnasium, aber auch umgekehrt muss jederzeit möglich sein.

10. Was sollte sich Ihrer Meinung nach in Deutschland ändern?

Wir brauchen in Deutschland einen bewussteren Umgang mit der Integration. Deutsche mit Migrationshintergrund müssen einen unbedingten Willen zur Integration zeigen. Dazu gehört beispielsweise das Erlernen der deutschen Sprache. Gleichzeitig müssen die Deutschen aber auch den Migranten auf Augenhöhe begegnen. Es kann nicht sein, dass durch Pseudo-Integrationsversuche wie der Einführung des Islamunterrichts glaubhaft eine heile Welt vermittelt werden soll.

11. Was verbindet sie noch mit Ihrer Heimat?

Meine Eltern stammen aus Marokko, ich habe dort selbst vier Jahre meines Lebens verbracht. In unregelmäßigen Abständen reise ich nach Marokko und besuche dort Familie und Freunde. Der DMK verbindet mich auch mit der Heimat! 

12. Welches Entwicklungspotenzial hat Marokko heute?

Marokko kann eine führende Rolle in internationalen Prozessen einnehmen, wenn es das Land schafft, die eigene Kultur zu bewahren, gleichzeitig aber auch auf die westliche Welt zuzugehen. Marokko hat viel zu bieten, die Vorteile des Landes müssen nur gut erläutert werden. Marokko ist ein Land das unheimlich wichtig für die EU ist.

13. Wie schätzen Sie die Deutsch-Marokkanische Zusammenarbeit ein, und wo sehen Sie noch Potenziale?

Das Deutsch-Marokkanische Kompetenznetzwerk ist ein Beispiel für die gute Zusammenarbeit. Ich weiß auch, dass sich unser marokkanischer Botschafter, in Deutschland sich sehr stark einsetzt und eine hervorragende Arbeit leistet. Jeder Deutsche mit marokkanischem Familienhintergrund wird den Kontakt nach Marokko suchen und davon können nicht nur wir Deutsch-Marokkaner profitieren, sondern vor allem auch die Menschen in Marokko, die sich an der westlichen Welt orientieren möchten.

14. Welcher Beitrag könnte die Diaspora bei dieser Zusammenarbeit leisten?

Marokko kann von Deutschland viel lernen. Das Verwaltungssystem, aber auch die Wirtschaftskraft kann für Marokko sicherlich ein Vorbild sein. Das Land muss es zum Ziel haben, westliche Standards zu erreichen.

15. Sind Sie verheiratet und haben Sie Kinder?

Ich bin ledig und habe keine Kinder. Aber mein großer Wunsch ist es, später einmal eine Familie zu gründen.

16. Welche Hobbys und Interessen haben Sie?

In meiner Freizeit, spiele ich gerne Basketball, lese verschiedenste Bücher und treffe ich mich mit Freunden. 

17. Und zum Schluss: Haben  Sie ein Lebensmotto?

Mein Motto ist „Politik macht Freude und Freunde!“ Ich lege allen Jugendlichen ans Herz: Engagiert Euch politisch und streitet für Eure Meinung. Auch in Marokko.

Vielen Dank für das Interview. Das Interview führte Herr Mohammed Massad.

 Younes Ouqasse:

Younes Ouaqasse (20) wurde als Sohn marokkanischer Eltern in Mannheim geboren, verbrachte vier Jahre seiner Kindheit in Marokko und kehrte im Alter von acht Jahren wieder nach Deutschland zurück. Nach einer durchwachsenen Schulzeit auf der Hauptschule holte er seinen Realschulabschluss nach und legte im Frühjahr dieses Jahres erfolgreich sein Abitur ab. Politisch engagiert sich Ouaqasse seit 2005 in der CDU, der Jungen Union und in der Schüler Union. Im April 2008 wurde der Mannheimer zum Bundesvorsitzenden der Schüler Union Deutschlands gewählt und vertritt seitdem die Interessen der über 10.000 Mitglieder. Im März 2009 wurde er als Bundesvorsitzender wiedergewählt.
Besonderer Mitgliedschaften: Schüler Union Deutschlands, Junge Union Deutschlands, Christlich-Demokratische Union
Webseite : www.schueler-union.de

 

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