MoniaRizkallah

Monia Rizkallah, Berlin

 

Ich denke, bessere Rahmenbedingungen könnten vielen talentierten Musikern die Tür in die internationale Musik-Welt öffnen..“

„...Immer sein Ziel verfolgen und dran glauben, dass man es erreichen kann!...

1. Frau Rizkallah, wie lange leben Sie schon in Deutschland und warum haben Sie sich bzw. Ihre Eltern für Deutschland entschieden?

Nachdem ich mein Studium in Paris und Warschau absolviert habe, hat mich ein berühmter Dirigent namens Marek Janowski auf einen der besten Professoren für Violine in Berlin, nämlich Thomas Brandis, ehemaliger Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, aufmerksam gemacht. Also machte ich die Aufnahmeprüfung an der Hochschule der Künste und wurde im Jahr 1999 in die Klasse von Herrn Brandis aufgenommen.

2. Im Laufe der Jahre haben Sie sicherlich Einiges erlebt. Können Sie uns 1-2 besondere Fälle schildern, die Ihren Lebenslauf charakterisiert haben? 

Ein sehr wichtiger Schritt in meiner Karriere waren sicherlich mehrere Probespiele im Orchester der Deutschen Oper Berlin zu gewinnen und so von innerhalb von 2 Jahren von einer Aushilfsposition zur 1. Stimmführerin der 2. Violinen aufzusteigen. Dadurch ergaben sich für mich auch unzählige Möglichkeiten, bei anderen bedeutenden Orchestern, wie z. B. den Berliner und Hamburger Philharmonikern oder an der Bayerischen Staatsoper zu spielen und dabei große Dirigenten wie Lorin Maazel, Sir Simon Rattle, Christian Thielemann oder Zubin Mehta zu erleben.

3. Welche Vorbilder prägten Sie und woher kamen die Anregungen für Ihre Entwicklung?

Mein allererstes Vorbild war sicherlich meine erste Geigen-Lehrerin in Lormont bei Bordeaux, Madame Vallée. Sie war Mitglied im Orchestre National de Bordeaux und hat mich oftmals zu deren Konzerten mitgenommen. Die Musik, die Atmosphäre, die Blumen und nicht zuletzt das lange Aufbleiben-Dürfen haben mich fasziniert und ich wollte das alles auch einmal unbedingt erleben. Während meiner Studien haben mich vorrangig Pierre Doukan, mein Professor in Paris, Marek Janowski, der damalige Dirigent im französischen Jugendorchester, und natürlich Thomas Brandis in Berlin geprägt. Auch die Aufnahmen von  berühmten Geigern wie Anne-Sophie Mutter, Isaac Stern oder David Oistrach haben mir viele Ideen für mein Spiel vermittelt.

4. Was verbindet Sie mit Deutschland, was ist schätzenswert und lebenswert, was müsste korrigiert werden?

Was ich in Deutschland zu schätzen gelernt habe ist, dass z.B. Ordnung, Regeln, Klarheit und Pünktlichkeit eine große Rolle spielen. Manchmal wird es allerdings auch ein wenig übertrieben... Der hohe Stellenwert der Kultur ist für mich als Musikerin natürlich von großer Bedeutung. Was man dringend korrigieren müsste ist das Wetter und das Essen (ich als Französin bin natürlich sehr verwöhnt...)

5. Wenn Sie heute den Wunsch frei hätten, würden Sie wieder nach Deutschland kommen? Warum?

Ich würde diesen Schritt jederzeit wieder machen, gerade jetzt wo ich festgestellt habe, dass es für einen Musiker hier sehr viele interessante Möglichkeiten gibt, sich zu entfalten. Vor allem in Berlin gibt es von Jazz über Klassik bis hin zu Rock und Pop einfach alles.

6. Was haben Sie studiert und warum?

Seit meinem 7. Lebensjahr spiele ich Geige und war immer schon so davon begeistert, dass für mich dann nichts anderes vorstellbar war, als Violine zu studieren. Musik war stets meine große Leidenschaft, und ich bin froh und dankbar, diesen Weg gegangen zu sein.

7. Ist der Bereich, den sie studiert haben bzw. wo Sie jetzt arbeiten schon immer Ihr Traum gewesen oder welchen Beruf hätten Sie sonst gern ausgeübt?

Musikerin zu sein war immer schon mein Traumberuf. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht oder mir gewünscht, etwas anderes zu tun.

8. Was ist Ihnen in der Schule oder an der Hochschule am schwersten gefallen? 

Ich habe die Schule nicht besonders gemocht. Vor allem das frühe Aufstehen und dass ich soviel lernen musste, was mit Musik nichts zu tun hatte... An der Hochschule war es dann Gott sei Dank ganz anders!

9. Wie sind Sie zu dem geworden was Sie heute sind und welche Rolle spielte dabei Deutschland, welche Chancen gab es oder verwehrte Ihnen Deutschland?

Als ich nach Berlin ging, war ich schon erwachsen und ich glaube, die Entwicklung meiner Persönlichkeit war damals schon ziemlich abgeschlossen. Ich kam hierher wegen des Professors, bei dem ich studieren wollte, und in der Folge habe ich erkannt, dass die Berufsmöglichkeiten sehr interessant für mich sind. Vor allem das Niveau und der Stellenwert der Orchester sind hier außerordentlich hoch. 

10. Was verbindet sie noch mit Ihrer Heimat?

Meine Familie und viele Freunde.

11. Welches Entwicklungspotenzial hat Marokko heute?

 Nach meiner Tournee im November 2008 habe ich festgestellt, dass sich die Leute in Marokko sehr für klassische Musik begeistern. Außerdem habe ich bei Meisterkursen viele sehr talentierte und engagierte Studenten und Lehrer kennen gelernt. Ich denke, bessere Rahmenbedingungen könnten vielen talentierten Musikern die Tür in die internationale Musik-Welt öffnen.

12. Wie schätzen Sie die Deutsch-Marokkanische Zusammenarbeit ein, und wo sehen Sie noch Potenziale?

Da meine eigentliche Heimat Frankreich ist, habe ich bisher wenig in Marokko gemacht. Ich versuche, für Schüler und Lehrer in den Konservatorien in Marokko mit Unterrichtsmaterial und Instrumentenzubehör zu beschaffen. Außerdem habe ich bereits unterrichtet und pflege Kontakte mit Direktoren, Lehrern und Schülern.

13. Welche Hobbys und Interessen haben Sie?

Leider ist meine Freizeit durch meinen Beruf und den damit verbundenen Reisen und Vorbereitungszeiten sehr begrenzt. Was mir dabei aber sehr gefällt, ist viele fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen.

14. Und zum Schluss: Haben Sie ein Lebensmotto?

Immer sein Ziel verfolgen und dran glauben, dass man es erreichen kann!

 Vielen Dank für das Interview. Das Interview führte Herr Mohammed Massad.

 Monia Rizhallah:

  • Studium: Musik und Violine
  • Beruf: Violiniste
  • Seit 2000, Mitglied im Orchester der Deustchen Oper Berlin

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